Advisory Board Spotlight

Dezember 2025

 

Carolina Müller-Möhl, Gründerin und VR-Präsidentin der Müller-Möhl Gruppe sowie der Müller-Möhl Stiftung, beim EqualVoice Summit in Zürich am 18. November 2025

Ein Rückblick von Carolina Müller-Möhl auf den EqualVoice Summit 2025

Sie haben beim EqualVoice-Summit in Zürich zum ersten Mal ein Gespräch auf offener Bühne moderiert – was war für Sie persönlich die grösste Überraschung an diesem «ersten Mal»?

Es war weniger eine Überraschung als eine Bestätigung, dass die besten Gespräche dann entstehen, wenn man sich dem natürlichen Fluss des Dialogs hingibt. Und natürlich dann, wenn man selbst etwas von der Sache versteht… Als Interviewpartnerin ärgert es mich jedes Mal, wenn die Moderation zu starr an einem Fragenkatalog festhält, keinen Raum für Spontanität lässt und damit dann auch der Humor auf der Strecke bleibt.

Welche Erkenntnis aus Ihrem Austausch mit Silvana Koch-Mehrin bleibt Ihnen besonders hängen – fachlich und menschlich?

There is no free lunch. Nichts kommt von nichts. Und vieles kommt von vielem. Von viel Einsatz, von viel Kraft, von viel Mut, von viel Überzeugung und von viel Arbeit!

Wenn Sie auf die globalen Umbrüche blicken: Welche eine Führungsqualität wird 2026 entscheidend sein?

Ich denke nicht, dass es nur die eine Führungseigenschaft braucht, um 2026 erfolgreich zu führen. Führung ist heute komplexer. Wer 2026 in einer Führungsposition steht, sollte eine verbindende Haltung einnehmen, mit anderen gemeinsam entwickeln, statt im Alleingang zu bestimmen. Die Führungsperson sollte progressiv denken und gleichzeitig agil handeln. Stehts bereit sein für Veränderung.

Was nehmen Sie aus der Atmosphäre des EqualVoice-Summit und den Rückmeldungen der Gäste als stärksten Impuls für Ihre eigene Arbeit mit taskforce4women und der Foundation mit? Was sind ihre wichtigsten Projekte 2026?

Gerade wenn der Wind kräftig bläst, ist es entscheidend, dass wir uns mit Gleichgesinnten verbinden. Dass wir uns gegenseitig stärken, Ideen austauschen und gemeinsam die Kraft entwickeln, dranzubleiben. Für 2026 haben wir eine ganze Reihe spannender Projekte in der Pipeline – jedes davon wichtig, jedes mit grosser Vorfreude verbunden. Und ebenso freue ich mich auf die vielen Kooperationen mit starken Partnerorganisationen, denn wir wissen: Allein schneller – gemeinsam weiter.

Ein Thema liegt mir dabei besonders am Herzen: die Abstimmung am 8. März zur Einführung der Individualbesteuerung. Sie ist ein entscheidender Schritt für mehr Fairness, wirtschaftliche Teilhabe und echte Gleichstellung. Denn: Fairness beginnt, wenn sich Arbeiten für alle lohnt!

Viele Diversitäts-Initiativen erleben einen Backlash und Kürzungen von Fundings. Wie sollten Menschen, die in und ausserhalb von Unternehmen engagiert bleiben wollen, reagieren?

Sich engagieren, sich engagieren, sich engagieren. Wählen gehen. Mitmachen. Mitdenken. Mitarbeiten. Einfach am Ball bleiben. Aufgeben ist aus meiner Sicht nie eine Option. Veränderungen haben in der Geschichte immer viel Kraft erfordert. Nichts, was Fortschritt gebracht hat, ist nebenbei entstanden. Man denke nur an neue Technologien: Wie viel Überzeugung, wie viel Beharrlichkeit es brauchte, bis sie sich durchgesetzt haben. Und heute? Haben wir sie überall dabei, sogar im Bett. (ich meine natürlich das Handy.)

Interview: Stefan Mair, Dezember, 2025